Eckdaten
Big Man ist eine Italienisch-Deutsch-Französisch-Norwegische Krimiserie, die 1988 Produziert wurde. Sie umfasst 6 Episoden in Spielfilmlänge, die bei Ihrer deutschen Erstausstrahlung durch das ZDF jeweils als zwei einzelne Folgen, unter dem Titel "Jack Clementi - Anruf genügt..." ausgestrahlt wurden.
Konzept
In insgesamt sechs Episoden spielt Bud Spencer den ehemaligen Polizeichef und Top-Ermittler Jack Clementi, der sich mittlerweile als Privatdetektiv an der Côte d'Azur niedergelassen hat und nur noch für ganz besonders hartnäckige Fälle von der Versicherungsgesellschaft Lloyds engagiert wird. Diese Fälle führen ihn durch ganz Europa, so ermittelt er z.B. in Italien, Frankreich, Deutschland und Österreich.
Charaktere
Jack Clementi
Bud Spencer
Jack Clementi ist ein ehemaliger Polizist, der es sogar bis zum Polizeichef gebracht hatte. Mittlerweile hat er sich vom Dienst zurückgezogen und sich als Privatdetektiv selbstständig gemacht. Er lebt als einziger Gast in einem Hotel an der Côte d'Azur und nimmt nur noch wirklich schwierige Fälle an. Diese werden ihm regelmäßig von seinem Freund Henry Winterbottom im Auftrag der Versicherung Lloyds vermittelt. Unterstützt wird er dabei von Simon.
Jack geniest ein hohes Ansehen und wird von vielen Leuten respektvoll mit "Professor" angesprochen. Zudem verfügt er durch seine frühere Arbeit noch über sehr gute Kontakte zur Polizei und zu anderen Kreisen.
Simon Lecoq
Denis Karvil
Simon betreibt so etwas wie einen Fahrerservice und Jack Clementi ist sein bester Kunde. Er hat allerdings den Ehrgeiz mehr für Jack zu tun und brennt darauf ihn bei seinen Fällen zu helfen. Dabei reist er durchaus auch mal in Eigenregie Jack hinterher und wird von Jack schließlich auch für weitere Ermittlungsarbeiten eingesetzt. So spielt er in
Der Tod fährt Achterbahn
zuerst den Lockvogel für Jack und infiltriert dann in einem Undercover-Einsatz die todbringende Sekte. In der Episode
Falsches Spiel
wird er Zeuge des Juwelendiebstahls bei der Schauspielerin Susy Kaminsky.
Fernande
Mylène Demongeot
Fernande ist die Eigentümerin des Hotels, in dem Jack Clementi als einziger Gast lebt. Sie hat ganz offensichtlich eine Schwäche für Jack und geht diesem mit ihrer Fürsorglichkeit gelegentlich schon mal auf die Nerven. Das Hotel selbst ist berühmt für seine ausgezeichnete Küche, trotzdem hat Fernande immer wieder Schwierigkeiten ihre mit viel Eifer und Leidenschaft angepriesenden Gerichte Jack schmackhaft zu machen, ein Running Gag, der gezielt mit dem ansonsten von Bud Spencer in seinen Filmen gezeigten Essverhalten spielt.
Henry Winterbottom
Geoffrey CoplestonHenry Winterbottom ist ein Freund Jack Clementis und ein hohes Tier im Vorstand des Versicherungskonzern Lloyds in London. In dieser Position muss er sich um die seltsamsten und schwierigsten Versicherungsfälle kümmern, zu dessen Lösung er gerne auf die Hilfe Jack Clementis zurück greift.
Man sieht Winterbottom in allen Episoden der Serie ausschließlich in den Räumlichkeiten der Versicherung, meistens zu Beginn einer Folge, wenn er Jack mit einem Auftrag versieht. Manchmal geschieht dies im Beisein von Jack Clementi, oft geschieht dies aber auch telefonisch.
Nebenfiguren
Kommissar Caruso
Raymond Pellegrin (3 Folgen)
Kommissar Caruso ist ein ehemaliger Kollege und Freund Jack Clementis bei der italienischen Polizei. In den drei in Italien angesiedelten Fällen unterstützt er Jack bei den Ermittlungen, obwohl er dessen Methoden nicht immer gut heißt und mit seiner Unterstützung somit selbst Ärger riskiert. Jack weiß, dass er sich auf Caruso verlassen kann. In der Episode
Strahlen des Todes
rettet Caruso sogar Jacks Leben, als er gerade noch rechtzeitig mit der Verstärkung im Schlupfwinkel des Schurken Zebra auftaucht.
Mr. Whitecat
Ole Jørgensen (3 Folgen)
Whitecat ist ein Kollege von Winterbottom bei der Versicherung Lloyds. In Im Netz der Drogenmafia äußert er einmal leise Zweifel an der Entscheidung Jack Clementi einzuschalten, ansonsten ist er aber nur noch im Hintergrund zu sehen.
Hintergründe
Ende der 80er-Jahre zeichnete sich ab, dass die Zeit der großen Kinoerfolge für Bud Spencer zu Ende ging. Selbst im Gespann mit Terence Hill ging der Erfolg stetig zurück. Gleichzeitig waren die Filme Bud Spencers aber im Fernsehen gefragter denn je und so zögerte Bud nicht lange, als ihm 1988 seine erste Hauptrolle für eine TV-Serie angeboten wurde.
Im Grunde änderte sich für Bud nicht viel. Für die Serie waren sechs Episoden in Spielfilmlänge geplant, und auch die Produktionsbedingungen erinnerten noch sehr an Kino, denn es ging sehr international zu. Unter der Federführung von Rete Italia und der Cecchi Gori Group waren auch Produktionsfirmen aus Frankreich, Deutschland, Österreich und Norwegen an der Entstehung der Serie beteiligt. Für Deutschland war es das ZDF, für Österreich das ORF. Und es wurde auch in vier verschiedenen Ländern gedreht, denn außer in Italien spielten Episoden der Serie auch in Frankreich, Deutschland und Österreich. Für Bud Spencer war es dabei das erste Mal in seiner Karriere, dass er in Deutschland und Österreich drehte.
An den Skripten der Serie waren neben Bud Spencer selbst auch Steno und Luciano De Caro beteiligt, die beide auch schon an der Plattfuß-Reihe mitwirkten. Steno, der schon bei allen vier Plattfuß-Abenteuern die Regie führte, nahm dabei auch jetzt wieder auf dem Regiestuhl Platz. Und auch der Plattfuß-Kameramann Silvano Ippoliti ist hier wieder mit von der Partie, genauso wie die Brüder Guido und Maurizio De Angelis, die nun auch für Big Man die Musik schrieben und die in einigen Episoden sogar das Plattfuß-Thema zitieren, nämlich immer dann, wenn Bud Spencers Jack Clementi auf seinen alten Freund Kommissar Caruso trifft, der von Raymond Pelleg-rin gespielt wird, der in „Sie nannten ihn Plattfuß“ den Anwalt De Ribis spielte.
Der römische Filmemacher Steno, war nicht nur Regisseur, sondern auch Ideengeber der Serie, der zuvor auch schon die gesamte Plattfuß-Reihe und „Banana Joe“ mit Bud Spencer drehte. Er sollte auch bei allen sechs Episoden von „Big Man“ die Regie übernehmen, doch waren erst fünf der sechs Episoden im Kasten, als Steno am 12. März 1988 noch während der Dreharbeiten starb. Das Skript zur letzten Episode
Der Tod fährt Achterbahn
schrieb daher sein Sohn Enrico Vanzina zu Ende. Die Regie übernahm Maurizio Ponzi. In einem Interview erzählte Bud Spencer zudem, dass er selbst bei einigen Szenen Regie führte. In Gedenken an den verstorbenen Kollegen ist im Abspann auch für diese Folge Steno als Regisseur genannt.
Gastauftritte
In Big Man treten neben den Hauptdarstellern auch viele international bekannte Gaststars auf.
Ursula Andress (Falsches Spiel)
>Raimund Harmstorf (Der Klan der Fälscher)
Mario Pilar (Der Klan der Fälscher)
Nello Pazzafini (Im Netz der Drogenmafia)
Michel Constantin (Der große Coup)
John Steiner (Strahlen des Todes)
Darüber hinaus hatten auch viele Stuntmen, die fester Bestandteil der Kinofilme vergangener Tage waren, in Big Man ihren letzten Auftritt. Zu nennen sind hier:
Giancarlo Bastianoni,
Sergio Smacchi,
Marcello Verziera,
Omero Capanna,
Romano Puppo,
Giovanni Cianfriglia,
Franco Ukmar und
Vincenzo Maggio.
Big Man in Deutschland
Während die Serie in Italien im November 1988 ihre Premiere im italienischen Privatfernsehen feierte, wurde sie in Deutschland zuerst von Taurus Video im Jahr 1989 als sechs einzelne Kaufkassetten veröffentlicht. Hierfür ließ man sogar sechs verschiedene Cover-Varianten von Renato Casaro malen.
Die Fernsehpremiere im ZDF fand erst im Frühjahr 1991 statt. Das ZDF teilte dafür jede Episode in zwei Teile und zeigte sie somit als 12-teilige Vorabendserie. Der erste Teil einer solchen Doppelfolge wurde jeweils montags ausgestrahlt, der zweite Teil folgte dann am darauffolgenden Mittwoch. Die zweiten Folgen dieser Zweiteiler begannen nun jeweils mit einer kurzen Zusammenfassung, die erklärte, was bisher geschah. Zusätzlich bekam die Serie für die TV-Ausstrahlung einen neuen Titel. Während sie auf Video noch „Big Man“ hieß, hieß sie im ZDF nun „Jack Clementi - Anruf genügt...“. Das ZDF sendete die Episoden zudem nicht in ihrer Originalreihenfolge.
Zwei Episoden wurden ausschließlich für die deutsche Fassung künstlich verlängert. Die Episoden „Der große Coup“ und „Der Tod fährt Achterbahn“ enthalten jeweils eine zusätzliche Szene im Hotel von Jack Clementi, die ursprünglich aus einer anderen Episode stammt, die nun aber mit anderer Synchronisation noch einmal eingefügt wurde: in der Folge "der große Coup" wurde am ende die Szene vom anfang der Folge "der Klan der Fälscher" mit neuer Synchro eingefügt. In der Episode "Der Tod fährt Achterbahn" Wird am Ende die Anfangsszene aus "Im Netz der Drogenmaffia" mit neuem Text eingefügt. Hier wird durch diese "neue" Szene der Eindruck erweckt, dass Hotelbesitzerin Fernande und Jack zum Ende der Serie ein Paar werden.
Das für die deutsche Fassung verantwortliche ZDF traf noch weitere ungewöhnliche Entscheidungen. So tauschte man die Originalmusik von
Guido und
Maurizio De Angelis
gegen Kompositionen des tschechischen Komponisten
Karel Svoboda
aus, wodurch in der deutschen Fassung der Originalsoundtrack weitestgehend verloren geht. Lediglich im Hintergrund ist an wenigen Stellen noch “Stars-hine Rainbow” von den Oliver Onions zu hören. Auch die musikalischen Anspielungen an die Plattfuß-Reihe durch Verwendung des Plattfuß-Themas ist in der deutschen Fassung nicht mehr gegeben.
Eine zweite, noch unglücklichere Entscheidung, traf das ZDF bei der Besetzung des Synchronsprechers von Bud Spencer. Er wird hier das erste und einzige Mal in seiner Karriere von
Karl-Heinz Krolzyk
gesprochen. Diese doch sehr ungewohnte, sanfte und recht großväterlich klingende Stimme trug wohl auch dazu bei, dass die Serie in Deutschland nicht den Stellenwert früherer Bud Spencer Produktionen erreichte. |