Keoma - Das Lied des Todes
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Keoma - Das Lied des Todes
Keoma - Melodie des Sterbens, Coolman Keoma, Keoma - Ein Mann wie ein Tornado
Keoma
Italien 1976 - 101 Min.
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Inhalt

Nach einem Massaker an Indianern findet William Shannon als einzigen Überlebenden den kleinen Jungen Keoma, ein Halbblut, und nimmt ihn als seinen Sohn in seine Obhut. Nachdem Keoma als Erwachsener im Bürgerkrieg gekämpft hat, kehrt er in seine Heimat zurück. Die Stadt ist in der Gewalt von Caldwell, einem ehemaligen Südstaaten-Offizier, der eine Pockenepidemie dazu nutzt, mit seinen Banditen die Stadt zu terrorisieren. Auf der Seite der Banditen stehen Keomas drei Stiefbrüder, die Keoma seit seiner Kindheit verachten. Keoma befreit Lisa, eine schwangere Frau, aus einem Treck, der erkrankte und unerwünschte Bewohner aus der Stadt in ein bewachtes Bergwerk bringt, in dem diese ohne medizinische Hilfe sterben sollen. Zusammen mit seinem Stiefvater und seinem alten väterlichen Freund George, einem freigelassenen Sklaven, versucht Keoma, die Stadt von Caldwells Banditen zu befreien. Als Caldwell den Stiefvater vor Keomas Augen kaltblütig erschießt, stellen sich die Stiefbrüder Keomas gegen die Banditen und töten Caldwell. Sie geben Keoma die Schuld am Tod des Vaters und übernehmen die Leitung der Stadt. Mit Hilfe der schwangeren Frau kann Keoma fliehen, muss aber seine drei Stiefbrüder in einer finalen Schießerei töten. Diese findet parallel zur Geburt des Kindes von Lisa statt, bei der die alte Frau (der Tod) Geburtshilfe leistet. Lisa stirbt bei der Geburt und Keoma überlässt den neugeborenen Jungen der alten Frau und zieht weiter.

Die Idee zu Keoma stammt von Drehbuchautor und Darsteller Luigi Montefiori (alias George Eastman). Das von Nico Ducci ausgearbeitete Drehbuch wurde von Enzo G. Castellari während der Dreharbeiten fast vollständig umgeschrieben. Als Dialogautoren fungierten Joshua Sinclair (Darsteller des Sam Shannon) sowie partiell auch Franco Nero (Keoma).

Die Inszenierung von Keoma (indianisch für "weit entfernt" oder auch "Racheengel") nimmt, so Regisseur Enzo G. Castellari, Anleihen u. a. beim Alten und Neuen Testament (der verlorene Sohn, die Heilung der Lepra-Kranken, Kreuzigung, Wiedergeburt), bei Shakespeares King Lear, Hamlet, Macbeth sowie bei Ingmar Bergman und dessen Filmen Das siebente Siegel und Wilde Erdbeeren. Darüber hinaus adaptiert Castellari Inhalte und Motive bekannter US-amerikanischer Western, ähnlich wie Sergio Leone in Spiel mir das Lied vom Tod (1968). Zusätzlich zitiert Castellari aber auch Italo-Western, so unter anderem die erste Saloon-Sequenz aus Corbuccis Django (1966) oder Woody Strodes Erschießung aus Django - Die Nacht der langen Messer (1970).

Mit der Figur der alten Frau, die einen Holzkarren voll Habseligkeiten hinter sich herzieht, personalisiert Castellari den Tod als allgegenwärtigen Begleiter Keomas. Der Tod schont Keoma als Kind (Keoma überlebt das Massaker), er empfängt Keoma bei seiner Rückkehr in die Heimat; der Tod zieht mit seinem Karren in die Stadt ein, er erscheint Keoma als Vorzeichen (Ankündigung des nahenden Todes von George) und als mahnendes Gewissen (Keoma erwürgt einen von Caldwells Banditen im Dunkel); der Tod wird schließlich sogar Hebamme und Kinderfrau.

Die Hintergrundgeschichte von Keomas Kindheit wird in Rückblenden erzählt, die teils ohne Schnitte in die Jetzt-Zeit des Films integriert werden. Dies wird unter anderem dadurch erreicht, dass der erwachsene Keoma als stiller Beobachter innerhalb seiner eigenen Kindheitsepisoden wandelt; diesen Kunstgriff verwendete auch Ingmar Bergman in Wilde Erdbeeren. Bei dem Wiedersehen mit seinen Brüdern wird eine andere Technik der Rückblende benutzt. Hier werden immer wieder kurze Einstellungen von ähnlichen Szenen aus der Kindheit in die laufende Handlung eingeschnitten. Einzigartig ist auch, dass Castellari die erste der zahlreichen Rückblenden bereits innerhalb der Einführungssequenz stattfinden lässt – also noch vor dem Titelvorspann.

Castellari nutzt ferner die seltene Montagetechnik der Vorausblende, so unter anderem zur Darstellung des moralischen Verfalls der drei Stiefbrüder Keomas. Sein Film ist ein Puzzle aus Flashbacks und Vorausblitzen, ein Patchwork aus Erinnerungen und Ahnungen.

Castellari nutzt eine Reihe von hervorstechenden Bildgestaltungsmitteln, die zum einen Westernklassiker zitieren und zum anderen die Tradition experimenteller Inszenierung im Italowestern aufnimmt. Diese Liebeserklärung an die Kinematografie zeigt sich unter anderem in der Inszenierung der Gewaltszenen. So werden viele der zu Boden stürzenden Personen in Zeitlupen-Einstellungen gezeigt, die mit Einstellungen normaler Geschwindigkeit im Wechsel geschnitten sind. Dieses Stilmittel hatte Sam Peckinpah in The Wild Bunch populär gemacht. Des Weiteren werden häufig ungewöhnliche Blickwinkel benutzt. So zeigt Castellari z. B. Keoma und seinen Vater beim Zielschießen aus einer Perspektive hinter der Zielscheibe. Erst durch einige Treffer werden die beiden sichtbar. In einer ähnlichen Einstellung sind vier Caldwell-Banditen zunächst durch Keomas ausgestreckte Finger verdeckt, bevor sie durch Abzählen von eins bis vier – Finger für Finger – für den Zuschauer „zum Abschuss freigegeben“ werden. Auffällig ist ferner, dass Castellari seine Protagonisten konsequent durch unscharf im Vordergrund abgebildete Gegenstände „freistellt“ bzw. „einrahmt“ und somit hervorhebt. Als Vorlage hierfür diente Castellari der Western Südwest nach Sonora (1965) von Sidney J. Furie. Zudem platziert Castellari in vielen Einstellungen des Films bildbestimmende Motive im linken oder rechten Fünftel des Techniscope-Breitwandbildes (Kadrierung), also außergewöhnlich weit seitlich. Hierzu zählen u. a. die allererste Einstellung des Films (Keoma reitet in die verlassene Stadt) sowie eine (in der deutschen Kinofassung entfernte) 3-minütige 180-Grad-Kamerafahrt um Keoma und seinen Vater. Üblicherweise werden im Breitwand-Spielfilm bildwichtige Motive in den mittleren drei Fünfteln des Breitwandbildes platziert.

Viele der Plansequenzen des Films wurden mit der Handkamera realisiert, ohne dass der Kamerawagen zum Einsatz kam. Dabei führte Castellari die Techniscope-Arriflex-Kamera selbst. So wird der hektische Dialogwechsel der drei Brüder auf der Ranch des Vaters in einer einzigen Einstellung als Folge von Reißschwenks inszeniert und somit quasi "in der Kamera geschnitten". An einer anderen Stelle führt Castellari die Handkamera 270° dicht um Keomas Kopf herum, während Keoma auf den Angriff von Caldwells Bande wartet.

Aufgrund der besonderen Bildgestaltung hat das Museum of Modern Art (MoMA) eine Kopie des Films in seiner Sammlung. Anlässlich eines Screenings wurde Keoma von einem der Kuratoren als "stilistisch eindrucksvollster Western" angekündigt. Die damals gezeigte Reihe wurde unter anderem von Martin Scorsese und Quentin Tarantino, beide große Bewunderer des Films, betreut.

Die Szenenbilder wurden von Carlo Simi gestaltet, der diese Funktion zuvor bereits für alle Italowestern Sergio Leones ausgeübt hatte. Hierfür stand unter anderem das seit Jahren ungenutzte, bereits für Sergio Corbuccis Ringo mit den goldenen Pistolen (1965) und Django (1966) verwendete Westernset der Elios-Studios östlich von Rom zur Verfügung. Um dem Bergbau-Städtchen im Film („Skidoo City“) ein besonders verwahrlostes Aussehen zu geben, überzog Simi das bereits stark verfallene Set zusätzlich mit Altmetall- und Maschinenteilen. Zusätzlich wurden künstlicher Wind, Staub, Nebel oder Regen eingesetzt. Die Anfangssequenz (Keoma trifft den Tod) sowie das finale Duell wurden in einem – noch stärker verfallenen – kleinen Westernset bei Palestrina gedreht, rund 50 km östlich von Rom gelegen.

Nahezu alle Landschaftsaufnahmen – so die Reitszenen von Keoma bzw. der Caldwell-Gang, die Leichenwagen-Fahrten durch den Canyon, das Versteck in der Felshöhle, der Überfall der drei Shannon-Brüder u. v. a. – wurden in einem straßennah gelegenen Canyon auf der Hochebene Campo Imperatore in den italienischen Abruzzen gefilmt. Im Hintergrund ist häufig der Gebirgszug des Gran Sasso d’Italia zu erkennen. Diese eher europäisch anmutende Film-Location wurde nur selten für Italo-Western verwendet. Üblicherweise wurden Außenaufnahmen auf der Halbinsel Cabo de Gata bzw. nördlich von Almería (beides Andalusien) gedreht. Dort ähnelt die Landschaft sehr stark dem Südwesten der USA (Arizona, New Mexico).

Castellari ließ sich während des Filmschnitts von der Musik Bob Dylans und von Leonard Cohens Filmmusik zu McCabe & Mrs. Miller (1971) inspirieren. Castellari beauftragte daher die Filmkomponisten Guido & Maurizio De Angelis, sich an den Cohen-Songs zu orientieren. Die De Angelis schufen daraufhin eine an Bänkelsang erinnernde, balladenhafte Filmmusik, in der eine Bass- und vor allem eine weibliche Sopran-Stimme (Sybil & Guy) das Filmgeschehen begleiten und kommentieren. Die weibliche Stimme erinnert sehr stark an Joan Baez. Ungewöhnlich ist dabei die stellenweise unsaubere Intonation sowie der auffallende Akzent der beiden Gesangsstimmen.

Die deutsche Kinofassung wurde seinerzeit aus Vermarktungsgründen gekürzt und vornehmlich auf „Action“ reduziert, was auch die reißerischen Zusatztitel des Films andeuten (z. B. „Melodie des Sterbens“). So fielen u. a. die meisten der Rückblenden der Schere zum Opfer.

In seinem an Der mit dem Wolf tanzt (1990) angelehnten Spätwerk Die Rache des weißen Indianers (1993) greift Castellari die Figur sowie viele filmgestalterische Motive von Keoma erneut auf, so unter anderem die Inszenierung von Rückblenden innerhalb von ungeschnittenen Einstellungen der Jetzt-Zeit. Die Titelrolle, ein von Bären und Indianern aufgezogener Vollwaise, spielt wiederum Franco Nero. Der Film war jedoch ein kommerzieller Misserfolg und kam in Deutschland erst gar nicht in die Kinos.

Starttermine:
25.11.1976 Italien Kinostart Erstaufführung
27.01.1977 Deutschland Kinostart
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Besetzung
Nr. Darsteller Rollenname Synchronsprecher Bild InfoIMDb
1 Franco Nero KeomaKlaus Kindler  
2 William Berger William John ShannonGünther Sauer  
3 Olga Karlatos Liza Farrow  
4 Orso Maria Guerrini Butch ShannonHannes Gromball  
5 Gabriella Giacobbe der Tod  
6 Antonio Marsina Lenny ShannonIvar Combrinck  
7 Joshua Sinclair
(als John Loffredo)
Sam ShannonManfred Seipold  
8 Donald O'Brien
(als Donald O'Brian)
CaldwellHorst Sommer  
9 Leonardo Scavino
(als Leon Lenoir)
ArztWilly Friedrichs  
10 Wolfango Soldati WolfArthur Brauss  
11 Victoria Zinny Prostituierte im Saloon  
12 Alfio Caltabiano ClayNorbert Gastell  
13 Woody Strode GeorgeWolfgang Hess  
Nicht genannte Darsteller
14 Felice Ceciarelli Caldwells Handlanger  
15 Pierangelo Civera Pestopfer  
16 Jean-Pierre Clarain Bill Farrow  
17 Catharina Dahlin Frau die Medizin bringt  
18 Ian Danby Saloon Bartender  
19 Paolo Figlia Caldwells Handlanger  
20 Aldo Formisano Saloongast  
21 Claudio Ruffini Caldwells Handlanger  
22 Tonino Tommasi Skidoo City Bürger  
Stuntmen
23 Antonio Basile Caldwells Handlanger  
24 Giovanni Bonadonna Caldwells Handlanger  
25 Armando Bottin Caldwells Handlanger  
26 Aldo Canti Flüchtender aus Wagen  
27 Domenico Cianfriglia Caldwells Handlanger  
28 Giovanni Cianfriglia Caldwells Handlanger  
29 Arnaldo Dell'Acqua   
30 Roberto Dell'Acqua JeffErich Ebert  
31 Augusto Funari Caldwells Handlanger  
32 Giglio Gigli Caldwells Handlanger  
33 Maurizio Mannoia Caldwells Handlanger  
34 Roberto Messina Caldwells Handlanger  
35 Riccardo Pizzuti Slade  
36 Virgilio Ponti   
37 Angelo Ragusa
(für Franco Nero)
Caldwells Handlanger  
38 Orlando Ragusa   
39 Roberto Resta   
40 Sergio Ruggeri Caldwells Handlanger im Saloon  
41 Franco Maria Salamon   
42 Attilio Severini Caldwells Handlanger  
43 Clemente Ukmar Caldwells Handlanger  
44 Franco Ukmar Caldwells Handlanger  
45 Giancarlo Ukmar Caldwells Handlanger  
46 Giovanni Ukmar Caldwells Handlanger  
47 Sergio Ukmar Caldwells Handlanger  
48 Massimo Vanni Caldwells Handlanger im WagenNino Korda  
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Stab
Musik
Guido De Angelis, Interpreten, Maurizio De Angelis, Sybil & Guy (Sybil & Guy)
Drehbuch
Enzo G. Castellari (Buch), George Eastman (geschichte & Buch als Luigi Montefiori), Joshua Sinclair (dialoge), Mino Roli (Buch), Nico Ducci (Buch)
Stunt-Koordinator
Rocco Lerro
Kamera
Aiace Parolin
Schnitt
Gianfranco Amicucci
Produktionsfirmen
Uranos Cinematografica
Produktionsleitung
Carlo Giovagnorio (Aufnahmeleitung), Stefano Pegoraro, Nicolò Forte
Ton
Benito Alchimede (Bearbeitung), Tonino Cacciottolo (Bearbeitung als Tonino Caciuottolo), Gianni D'Amico (tonmeister), Bernardino Fronzetti (Aufnahmen), Romano Pampaloni (Nachbearbeitung)
Spezialeffekte
Giovanni Corridori (als Ciovanni Corridori)
Regieassistent
Rocco Lerro, Giuseppe Giglietti (2nd AD)
Continuity
Vivalda Vigorelli
Szenenbild
Carlo Simi
Bauten
Carlo Simi
Ausstattung
Carlo Gentili
Kostüme
Massimo Lentini, Carlo Simi
Maske
Alfonso Gola
Frisuren
Giusy Bovino (als Giuseppina Bovino)
Produzent
Manolo Bolognini
Regie
Enzo G. Castellari
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Alternativtitel
Keoma - Melodie des Sterbens
Mit der gekürzten Kinofassung identeische Wiederaufführung
Spielzeit dieser Version: 90 Minuten
Coolman Keoma
Mit Kinofassung identische Videoveröffentlichung
Spielzeit dieser Version: 90 Minuten
Keoma - Ein Mann wie ein Tornado
Mit Kinofassung identische videoveröffentlichung
Spielzeit dieser Version: 90 Minuten
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Typ Titel Label Land Datum
Bonus Keoma: Trailer; Making Of; Audiokommentar Deutschland
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Soundtrack
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OST Keoma Italien
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